
Das Halbmond-Rudel hatte eine unerschütterliche Regel: Der Alpha-Erbe durfte niemals mit einem menschlichen Mädchen einen Bund eingehen. Trotz dieser Regel bildete Marshall Lockwood, der Alpha-Erbe des Halbmond-Rudels, eine Gefährten-Bindung mit mir. Um mit mir zusammen zu sein, widersetzte er sich offen dem Ältestenrat der Familie Lockwood. Er ertrug eine brutale Bestrafung, das Blut durchnässte sein Hemd, doch er lächelte und sagte zu mir: "Annelise, hab keine Angst. Ich will nur dich." Schließlich gab der Ältestenrat nach und stimmte zu, Marshall und mich gemeinsam gehen zu lassen. Aber sie hatten eine Bedingung: Er musste einen reinblütigen Erben für das Rudel hinterlassen. Von diesem Tag an war das Wort, das ich am häufigsten von Marshalls Lippen hörte, "warte". Beim ersten Mal sagte Marshall mir, ich solle warten, während er eine andere Wölfin fand, um seinen Welpen zu gebären. Er schlief neunundneunzig Mal mit Serena Valenti, bis sie seinen Welpen empfing. Beim zweiten Mal sagte er mir, ich solle wieder warten, weil der erste Welpe, Maya, ein Mädchen war, und die Ältesten einen Jungen forderten. Also schlief Marshall unzählige weitere Male mit Serena, bis sie erneut schwanger wurde. Genau als ich dachte, unsere Qual sei endlich vorbei, berührte ihre Tochter Maya versehentlich das Schattenmond-Relikt während ihrer ersten Mondzeremonie – ein verfluchter Gegenstand, der für junge Welpen tödlich ist. Alle waren überzeugt, dass ich es eingefädelt hatte. Als sie mich in die eiskalte Isolationskammer warfen, stand Marshall an der Tür, seine Augen loderten. "Ich habe dir gesagt, du sollst warten..." Sein Blick war eisig. "Du weißt, was das Schattenmond-Relikt für unsere Welpen bedeutet. Warum würdest du meinem Kind schaden?" Seine Worte – "mein Welpe" – waren wie ein Messerstich in mein Herz. Ein qualvoller Schmerz überkam mich, und meine Nägel gruben sich tief in meine Handflächen. Als die Tür der Isolationskammer wieder aufschwang, fielen meine Hände, aufgerissen und blutig vom Kratzen an den Wänden, kraftlos an meine Seiten. Dieses Mal war ich fertig mit dem Warten.