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Erschöpfte Geschöpfe 

Der Lehrer stand vor der Klasse, die Tafel war bereits mit einem groben Zeitstrahl versehen. Er klopfte mit der Kreide auf die Tafel, um die Aufmerksamkeit seiner Schüler zu bekommen.

Lehrer: „Heute geht es um die Geschichte unseres Landes. Wer von euch kann mir sagen, was er über die großen Ereignisse unserer Vergangenheit weiß? Egal, was euch einfällt."

Die Schüler sahen ihn schweigend an. Ein Junge hob schüchtern die Hand.

Schüler 2: „Wann sind die Menschen geboren?"

Lehrer: (lachend) „Geboren wurden wir alle irgendwann. Aber ich glaube, du meinst, wann die ersten Menschen auf diese Welt kamen? Man schätzt, dass das über 100.000 Jahre her ist."

Schüler 5: „Und davor?"

Lehrer: „Davor? Tja, das ist eine Frage, die wohl nie jemand beantworten kann."

Ein Mädchen meldete sich und wechselte das Thema.

Schülerin 3: „Der große Zauberturm im Süden – war das nicht etwas Besonderes?"

Lehrer: „Sehr gut! Der Forschungsturm. Früher diente er dazu, Magie zu studieren. Heute wird er nur noch für wissenschaftliche Zwecke genutzt."

Ein anderer Schüler schnaufte laut.

Schüler 4: „Wen interessieren alte Gebäude? Erzählen Sie uns lieber von den Magierevolutionen."

Der Lehrer schmunzelte.

Lehrer: „Die Magierevolution? Gut. Sie begann vor über 500 Jahren und war ein Wendepunkt. Magier erhoben sich damals gegen die Monarchie und die normale Bevölkerung, weil sie glaubten, über allen zu stehen. Es war eine dunkle Zeit."

Ein Schüler rief plötzlich:

Schüler 5: „Der große magische Krieg!"

Die Klasse reagierte mit gemurmeltem Einverständnis.

Lehrer: „Ah, der 200-jährige Krieg. Dieser Krieg endete vor etwas über 200 Jahren. Er war verheerend, aber er hat unsere heutige Gesellschaft geprägt."

Ein Junge grinste breit.

Schüler 1: „Und was ist mit Drachen? Gab es die wirklich?"

Die Klasse lachte, doch der Lehrer antwortete ernsthaft.

Lehrer: „Es gibt keine Beweise, dass es echte Drachen gab. Wahrscheinlich handelte es sich um große Echsen mit Flügeln. Die Geschichten, die wir kennen, wurden oft ausgeschmückt."

Schüler 1: „Also gab es keine echten Helden, die Drachen besiegt haben?"

Lehrer: (lachend) „Ich fürchte nicht. Aber das macht die Geschichten nicht weniger spannend."

Akio saß still und hörte zu. Die Erzählungen fühlten sich seltsam vertraut an, als hätte er sie schon einmal gehört – oder erlebt.

Ein anderer Schüler hob die Hand.

Schüler 5: „Was ist mit den anderen Rassen? Orks, Elfen, Zwerge – all das Zeug aus den Geschichten?"

Lehrer: (ernsthaft) „Die meisten von ihnen gibt es nicht. Aber es gibt Ausnahmen, wie die Echsenmenschen. Sie lebten vor langer Zeit in den südlichen Wäldern. Ich selbst habe vor Jahren einmal einen getroffen."

Die Klasse reagierte mit einem kollektiven „Was?"

Schüler 6: „Was war er für ein Typ?"

Lehrer: (lächelnd) „Er war beeindruckend – groß, stark, und er trug ein riesiges Schwert. Aber er war auch freundlich. Wir haben zusammen gelacht, getrunken und Geschichten erzählt."

Schüler 4: „Hatten die Echsenmenschen auch Magie?"

Der Lehrer runzelte die Stirn.

Lehrer: „Nein, Magie war den Menschen, Elfen und Feen vorbehalten. Sie basiert auf starken Emotionen, und die anderen Rassen hatten nicht die gleichen emotionalen Fähigkeiten."

Akio runzelte die Stirn und hob die Hand.

Akio: „Aber Sie sagten doch, dass er gelacht hat. War das keine Emotion?"

Der Lehrer wirkte einen Moment überrascht, dann zuckte er die Schultern.

Lehrer: „Vielleicht. Aber wahrscheinlich war es mehr ein Versuch, dazuzugehören.

Während die Klasse lachte und der Lehrer weitere Fragen beantwortete, blieb Akio still. Die Worte des Lehrers, dass nur Menschen echte Emotionen hätten, klangen wie ein schlechter Scherz. „Was für ein Unsinn! Auch wenn man kein Mensch ist, kann man doch fühlen."

 

Plötzlich schien die Luft um ihn herum still zu werden. Eine vertraute Stimme flüsterte in seinem Kopf, sanft und doch klar:

Stimme: „Es ist schön zu wissen, dass wir uns verstehen."

Akio hielt inne. Sein Herz schlug einen Moment schneller, aber nicht vor Angst. Es fühlte sich fast tröstlich an, wie ein heimlicher Verbündeter, der mit ihm sprach. Er legte die Stirn in Falten.

„Was willst du mir damit sagen?" dachte er ins Leere. Er baute auf eine Antwort, doch es blieb still.

 

Akio atmete tief durch und spürte, wie sich die Anspannung in seiner Brust löste. Zum ersten Mal seit Langem fühlte er sich nicht allein – und dennoch wuchs in ihm die Frage: „Wer bist du wirklich?"

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